Heute beginnt die bundesweite Aktionswoche “Wissenschaft gegen Faschismus”. Über 570 Lehrende an über 100 Hochschulen bundesweit werden in den kommenden Tagen ihre Seminare und Vorlesungen umwidmen. Statt regulärer Lehre schaffen sie Raum für eine Auseinandersetzung mit dem Gegenwartsfaschismus und der gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft. Auch an Berliner Universitäten wird es zahlreiche Veranstaltungen geben. Die Initiative wurde von einem Zusammenschluss der Bewegung “Studis gegen Rechts” und renommierten Professor*innen, Dozierenden und Verwaltungsmitarbeitenden ins Leben gerufen.
Höhepunkt der bundesweiten Aktionswoche wird eine Podiumsdiskussion am Mittwoch, 3. Juni 2026, um 19:00 Uhr, im Hörsaal 10 der Humboldt-Universität in Berlin sein. Auf dem Panel diskutieren die Philosophin Prof. Dr. Rahel Jaeggi, die Migrationsforscherin Prof. Dr. Dr. Naika Foroutan, der Jurist Maximilian Steinbeis und eine Student:in von “Studis gegen Rechts” über Wissenschaftsfreiheit und die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr. Moderiert wird die Veranstaltung von Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Margarita Tsomou.
In Umfragen zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt liegt die AfD aktuell bei rund 40 % und könnte damit bald erstmals regieren. Die Landespartei plant unter anderem die Abschaffung von Forschungsdisziplinen wie den Gender Studies und will die Abschiebung migrantischer Studierender erleichtern. Die AfD führe einen ideologischen Angriff auf freie Wissenschaft und demokratische Bildung, so die Initiatoren. Wer Forschungsfelder abschaffen und Hochschulen politisch kontrollieren wolle, gefährde die Demokratie selbst.
Elisa von Studis gegen Rechts erklärt dazu: “Spätestens, wenn eine der stärksten politischen Parteien in Deutschland über die millionenfache Deportation migrantischer Menschen diskutiert, müssen Universitäten ihre besondere gesellschaftliche Verantwortung zum Schutz demokratischer Verhältnisse wahrnehmen. Sie müssen in der ersten Reihe stehen, wenn Grundpfeiler der Demokratie angegriffen werden. Denn Hochschulen sind keine neutralen Räume, sondern Orte demokratischer Bildung. Als solche müssen sie sich klar gegen autoritäre und faschistische Entwicklungen positionieren.”
Die Initiative verweist dabei auf den im Hochschulrahmengesetz verankerten Auftrag der Universitäten. Dort heißt es, „Lehre und Studium sollen den Studenten […] zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat befähig[en]“ (Hochschulrahmengesetz (HRG), § 7 – Ziel des Studiums).
Die Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Margarita Tsomou betont: “Faschistische Entwicklungen zu benennen braucht keinen Alarmismus, aber wissenschaftliche Präzision. Was wir über Faschismus wissen, ist kollektives Schutzwissen. Es gehört nicht in die Bibliothek. Es gehört auf die Straße und in die Öffentlichkeit. Deshalb: Hochschulen öffnen, diskutieren, handeln. Jetzt, nicht irgendwann!”
Die ganze Woche über finden Aktionen an Hochschulen und Universitäten statt. Die zentrale Veranstaltung am Mittwoch beginnt um 19h im Hörsaal 10 am Campus Nord der Humboldt-Universität zu Berlin in der Invalidenstraße 42. Die Veranstaltung wird auf der Website von Wissenschaft gegen Faschismus live gestreamt.
Wir laden alle Pressevertreter*innen herzlich zur Podiumsdiskussion ein. Bitte melden Sie sich unter kontakt@sgrberlin.de an, wenn Sie teilnehmen möchten!
Gerne stehen wir für Rückfragen zur Verfügung und vermitteln Interviews mit Studierenden und Dozierenden.
Weitere Informationen unter https://wissenschaft-gegen-faschismus.de/
KONTAKT zu Studis gegen Rechts Berlin:
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